Jee Eun Franziska Lee

14.09.13 - Tiefe des Gefühls

Jee-Eun Franziska Lee in der Villa Wieser bei Zonta

Rheinpfalz Zeitung, wtz

Ein fulminantes Konzerterlebnis bot die südkoreanische Pianistin Jee-Eun Franziska Lee auf Einladung Zonta Clubs Landau-Südpfalz am Samstag in der Villa Wieser. Sie überzeugte in eindrucksvollen Wiedergaben höchst anspruchsvoller Werke von Scarlatti, Beethoven bis Skrjabin.

Die zierliche junge Frau, die konzentriert und mit souveräner Ruhe die ersten Takte einer Scarlatti-Sonate anspielte, zeigte bereits in ihrem Gestus eine völlige Hingabe an die Musik. Brillant entwickelte sie die gesanglichen Linien der lyrischen f-Moll Sonate (K,481) sowie die klaren Konturen der belebten Sonate d-Moll (K.1).

Auch in der rasanten Wiedergabe der Chopin-Etüde F-Dur ,op. 10 überzeugte die Pianistin durch ihre hoch entwickelte Technik und Anschlagskultur. Dass sie das farbenreiche Spiel bevorzugt, bewies sie in der Darbietung der genialen Paraphrase von Isoldes Liebestod aus Wagners Oper durch Franz Liszt. Hier offenbart sich eine zutiefst romantische Klangwelt, die dem Interpreten orchestrale Klangfülle aber auch farbenreiche Dynamik abverlangt. Makellos spielte Lee die virtuosen Klangkaskaden, souverän modellierte sie die Themen aus dem harmonischen Geschehen heraus. Entscheidend dabei waren ihre emotionale Tiefe und Leidenschaft, die sie auch in ihrer fantasiereichen Interpretation der zweiten Sonate gis-Moll op. 19 von Skrjabin zum Ausdruck brachte.

Höhepunkt des Konzerts war aber ihre Interpretation von Beethovens letzter Klaviersonate Nr. 32 in c-Moll. Dieses große Werk gehört zu den aussagestärksten Werken Beethovens. Sie fordert ein Bekenntnis des Interpreten zu seiner Musik, sie ist zum Prüfstein aller großen Pianisten geworden.Jee-Eun Franziska Lee interpretierte das Werk mit enormer Energie und Kraft, setzte auf die kontrastreiche orchestrale Wirkung. So beeindruckte ihre Auffassung des leidenschaftlichen Allegrosatzes durch die wuchtige Dynamik. In den Variationen zur Arietta, einem liedhaften Adagio, entwickelte die Pianistin mit Ausdruck und rhythmischer Präzision hingegen die zarten Klangstrukturen.

Jee-Eun Franziska Lee hat in Seoul ihr Bachelor Musikstudium 2011 als Jahrgangsbeste abgeschlossen. Nach Wettbewerbserfolgen in Korea und Wien startete sie über den Deutschen Akademischen Austauschdienst ihr Masterstudium 2011 an der Musikhochschule Karlsruhe bei Sontraud Speidel. In zahlreichen Konzerten hat die junge Pianistin ihr Können unter Beweis gestellt, der Konzertabend für Zonta war ein weiterer Beleg für ihre ambitionierte Kunst.

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