Jee Eun Franziska Lee

11.11.14 - Zarte und dynamisch-kraftvolle Melodien

Südkoreanerin Jee-Eun Franziska Lee gibt Konzert im Simmozheimer Rathaussaal

Schwarzwälder-Bote, Bettina Bausch

Ihr Spiel ist zart und ausdrucksvoll und die Phrasierungen gestaltet sie mit großer Intimität.Jee-Eun Franziska Lee ist eine Ausnahmemusikerin und Meisterin ihres Faches. Denn was die junge Pianistin jetzt aus dem Flügel im Simmozheimer Rathaussaal geradezu herauszauberte, war Musik der Spitzenklasse.

Leicht vorgebeugt, immer auswendig und mit traumwandlerischer Sicherheit spielend, schien die Ausnahmekünstlerin mit dem Klavier geradezu verwachsen. Da war nichts von divenhaftem Gehabe zu spüren.

Hinter ihrem schlichten, freundlichen Auftreten verbirgt sich ein ungewöhnliches Musiktalent. Wer sie schon vor zweieinhalb Jahren an selber Stelle spielen hörte, merkte schnell, dass die Musikstudentin mit südkoreanischen Wurzeln inzwischen noch präziser, noch sicherer in der Interpretation, ja nahezu perfekt geworden ist.

Schon gleich mit dem ersten vorgetragenen Werk, Felix Mendelssohns Fantasie fis-moll op. 28, spielte sich die 26-Jährige in die Herzen der gespannt lauschenden Zuhörer. Das variationsreiche Stück mit fantasievollen Passagen ist in einer eher ungewöhnlichen Tonart geschrieben und verlangte hohe Konzentration sowie großes inneres Mitschwingen. Schon hier blitzte die Fähigkeit der jungen Musikerin zu ungewöhnlich sensibler Interpretation auf.

»Franz Schubert ist mein Lieblingskomponist«, bekannte sie lächelnd. Wohl auch deshalb stellte sie seine Klaviersonate in A-Dur in den Mittelpunkt des Abends. In den Sätzen Allegro, Andantino, Scherzo und Rondo, brannte die Meisterin der Tasten eine wahres Feuerwerk ihres Könnens ab. Zeigten die schnellen Sätze ihre fantastische Fähigkeit im virtuosen Spiel, so meisterte sie ruhigere Passagen mit großem Einfühlungsvermögen.

Höchstes Niveau erreichte Lee bei der Präsentation ihres dritten Werks, der Klaviersonate c-moll, op. 111 von Ludwig van Beethoven.

Im Allegro con brio ed appassionato wurde das typisch leidenschaftlich Entfesselte der Beethoven'schen Musik großartig herausgearbeitet Der Schlusssatz des Adagio molto mündete dann ein in eine ruhig-melodiös geprägte empfindsame Spielweise. Die zarte und immer wieder auch dynamisch-kraftvolle Art zu Spielen hatte restlos überzeugt.

Die Besucher des Abends waren erfasst worden vom meisterhaften Spiel der Musikstudentin, die bereits im Alter von fünf Jahren Klavierunterricht bekam und sich jetzt auf die Prüfung zur höchsten Stufe für Pianisten vorbereitet.

»Das war ganz, ganz toll«, resümierte Bürgermeister Hartmut Mayer. Er überreichte der Künstlerin unter begeistertem Applaus des Publikums ein Blumengebinde. Der Rathauschef kündigte an, das südkoreanische Genie am Flügel auf jeden Fall zu einem weiteren Konzert in die Gäugeeinde einzuladen.

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