Jee Eun Franziska Lee

06.10.15 - Innigkeit und Reife

Kulturfonds Baden zeichnet JeeEun Franziska Lee aus

Badische Neueste Nachrichte, Christine Voigt

Die junge Pianistin JeeEun Franziska Lee, die nun den Musikförderpreis des Kulturfonds Baden erhalten hat, ist in Karlsruhe keine Unbekannte mehr. 1988 in Seoul/Südkorea geboren, studierte sie zunächst in ihrer Heimat bis zum erfolgreichen Bachelor-Abschluss. Als Stipendiatin des DAAD setzte sie ihre Studien ab 2011 an der Karlsruher Hochschule für Musik fort. Seit 2013 unterrichtet sie dort als studentische Lehrbeauftragte das Pflichtfach Klavier. Inzwischen hat sie sich eine ganze Reihe von nationalen und internationalen Wettbewerbspreisen erspielt und wirkt bereits als Jurymitglied bei Wettbewerben mit.

Die Preisverleihung des Kulturfonds in der katholischen Kirche Hohenwettersbach leitete sie selbst mit der Darbietung von Mendelssohns „Fantasie" fis-Moll op. 28 ein. In tiefer innerer Anteilnahme verlieh sie mit blühender Technik dem ersten Teil farbige Gestaltung, dem zweiten gab sie ein freundlich-liebliches Gesicht, um schließlich die Hörer mit dem abschließenden Presto in souveräner Lauftechnik bei dynamischer Flexibilität und elastischer Geschmeidigkeit zu begeistern. Nach Begrüßungsworten der Ortsvorsteherin Elke Ernemann fand ein Dialog zwischen, der jungen Pianistin und ihrer Lehrerin statt unter dem Titel „Im Spannungsfeld der Kulturen", wobei die perfekte Integration und hervorragenden deutschen Sprachkenntnisse der Koreanerin sehr deutlich wurden. Diesem Gespräch folgte die Überreichung des Preises durch Matthias Tritsch, den Präsidenten des Kulturfonds.

Zum Abschluss zelebrierte Lee Beethovens letzte Sonate Nr. 32 op. 111 c-Moll, die als Vermächtnis und Krönung seines Sonatenwerks betrachtet wird. Tief eingedrungen in den Geist dieser Musik schuf sie nach langsamer Einleitung im schnellen Kopfsatz spannungsvolle Steigerungen wie auch deutliche Kontraste. Aus der mit besonders weichem Anschlag vorgetragenen langsamen „Arietta" sprach tiefe Innigkeit und erstaunliche Reife. Über diesen Variationssatz mit allen seinen Gegensätzlichkeiten war ein wunderbar weiter Bogen gespannt; die Hörer reagierten mit Ergriffenheit.

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