Jee Eun Franziska Lee

20.02.17 - Herausragende Klangkultur

Schubert pur: Pianistin Jee-Eun Franziska Lee in der Alten Aula


Rhein-Neckar-Zeitung, Klaus Roß


Franz Schuberts pianistisches Sonatenoeuvre ist trotz berühmter Anwälte wie Alfred Brendel oder András Schiff noch immer nicht in seiner ganzen Vielfalt im Konzertbetrieb angekommen. Nur wenige Spätwerke sind wirklich präsent, reine Schubert-Programmegar extrem selten. Umso beachtlicher erschien das mit drei Sonaten aus unterschiedlichen Schaffensperioden des Komponisten bestückte Recital von Jee-Eun Franziska Lee bei der Gesellschaft der Musik- und Kunstfreunde Heidelberg in der Alten Aula der Universität. Die unter anderem von Sontraud Speidel ausgebildete Südkoreanerin (Jahrgang 1988) favorisierte in ihren Schubert-Darbietungen eher klassische Klarheit als romantische Freizügigkeit und ließ so den Notentext unprätentiös wie für sich selbst sprechen.

Diese maßvolle Haltung tat schon dem wenig bekannten H-Dur-Frühwerk D 575 gut, dessen heiter verspielten Grundton Jee-Eun Franziska Lee sehr spritzig herausbrachte. Das liedhafte E-Dur-Andante formte die Musikerin zu einem kleinen lyrischen Juwel von anrührender Schlichtheit und Innigkeit.Ein Solitär in diesem Programm. Auch in der ungleich herberen und dramatischeren a-Moll-Sonate D 784 entpuppte sich der charakteristisch kantable Mittelsatz als fein empfundenes Herzstück der Wiedergabe.Schuberts schier orchestrale Steigerungspassagen kamen bei Jee-Eun Franziska Lee ohne jede Härte oder Schwerfälligkeit daher - ein weiterer Beleg für die herausragende Klangkultur der derzeit am Salzburger Mozarteum studierenden koreanischen Pianistin.

Höhepunkt des Heidelberger Konzertabends aber war fraglos ihre staunenswert Reife und souveräne Deutung der großen späten A-Dur-Sonate D 959, die selbst prominente Interpretationsvergleiche durchaus nicht zu scheuen brauchte. Grandios weiträumig der von sinfonischem Atem erfüllte Kopfsatz, fernab aller Larmoyanz das subtil bewegte fis-Moll-Andantino, federleicht das herrlich vergnügte Scherzo, wahrhaft schwärmerisch beschwingt und dazu farblich delikat nuanciert der einzigartig melodiöse Finalsatz: Wer so beseelt und elegant Werke von Franz Schubert spielt, sollte in der internationalen Klavierwelt seinen Platz finden. Herzlicher Beifall in der leider nur halb gefüllten Alten Aula der Universität. Für den Applaus bedankte sich die Künstlerin mit dem wunderbar gesanglich interpretierten Impromptu Ges-Dur D 899/3.

Zurück zur Übersicht